Wir passen aufeinander auf…

Inhaltswarnung: Tiefenhirnstimulation
Ich schreibe und ich weine. Weil ich mich freue, dass meine kleine Schwester auf mich aufpasst. Warum?

Als ich jugendlich war, wurde darüber nachgedacht, bei meiner Schwester eine Tiefenhirnstimulation zu machen. Diese Zeit war eine der belastendsten überhaupt für mich, weil meine ganze Familie angespannt war, alle Angst hatten, ich aber nicht mitgenommen wurde auf diesem Weg. Ich wusste nicht, was der Plan ist, wohin es geht, ich habe nur gespürt, ich bin überfordert, ich habe Angst, ich verliere mich in der Angst um meine Schwester, ich weine, ich fühle kaum noch etwas. Dieses Nicht-Fühlen war eigentlich das Schlimmste.

Damals wurde diese OP nicht weiter in Betracht gezogen, das Thema wurde fallen gelassen und ich war unendlich erleichtert. Als der Begriff Tiefenhirnstimulation vor einigen Wochen nach acht Jahren erneut fiel, war ich sofort wieder in meinem alten Muster drin. Innere Unruhe, ich vermied das Thema, ich machte mir Sorgen, Ohnmacht, ich fühlte erneut diese riesige Frustration darüber, dass ich mein Wohlbefinden von meiner Schwester abhägig mache. Ich war wieder klein.

Und dann kam meine Schwester auf mich zu und sagte, ich sehe, wie es dir geht. Es ist meine Entscheidung, es ist meine Verantwortung, ich werde mich informieren und ich dich dabei mitnehmen. Ich sehe, dass sich mein Zustand auf dich auswirkt und ich will, dass es dir gut geht. Wir werden einen gemeinsamen Weg finden.

Ich weiß nicht, wie diese Reise ausgehen, was ihre Entscheidung sein wird, aber es läuft jetzt schon anders als damals. Wir haben abgemacht, dass wir ein gemeinsames Dokument erstellen, in dem sie protokolliert, was ihr Erkenntnistand ist. Ich werde mitgenommen, ich bin nicht außen vor, es ist okay, dass ich Angst habe. Und ich habe gemerkt, wie sich etwas in mir gelöst hat. Ich muss nicht vortäuschen, dass alles spurlos an mir vorbeigeht. Ich bin nicht verantwortlich. Sie ist volljährig und es ist ihre Entscheidung. Ich werde mir weiterhin Sorgen machen, aber ich mache sie mir nicht alleine. Ich habe Freundinnen, ebenfalls erwachsene Geschwister oder auch nicht, die sich für mich interessieren, ich habe Unterstützung, die ich in Anspruch nehme und vor allem habe ich eine kleine Schwester, die auf mich aufpasst. Und das ist so viel mehr, als ich damals mit 15 hatte.

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