Frauke und Tabea und Wiebke

 

Schwesterntrio Frauke, Tabea und Wiebke

Frauke, Tabea und Wiebke (Foto: privat)

Mein Name ist Frauke. Ich bin 1983 zusammen mit meine Zwillingsschwester Wiebke in der Nähe von Dortmund auf die Welt gekommen. Bei unserer Geburt hat Wiebke zu wenig Sauerstoff bekommen. Deswegen hat sie seitdem eine körperliche Behinderung (Cerebralparese, Tetraplegie). Hierzu zählt bei ihr auch eine Sprechbehinderung. Da sie sich nicht über eine „normale“ Stimme mitteilen kann, benutzt sie einen Talker. Das ist ein elektronischer Sprachcomputer mit dessen synthetischer Sprachausgabe Wiebke sich ausdrücken kann. Ihre körperlichen Beeinträchtigung sind jedoch so stark, dass eine Ansteuerung des Talkers sehr lange dauert. Außerdem verwendet sie Kopfnicken bzw. -schütteln für „Ja“ oder „Nein“.

Zwei Jahre nach unserer Geburt bekam wir Zuwachs: Tabea erblickte das Licht der Welt. (Für alle, die sich jetzt fragen, wer wer auf dem Foto ist: ich bin die einzige Blondine und keiner kann mir sagen, wo meine Haarfarbe herkommt, weil sonst niemand in unserer Familie blond ist.)

Als wir 18 Jahre alt waren, ist Wiebke in die Nähe von München in ein Behindertenwohnheim gezogen. Am Anfang lief es dort sehr gut. Doch nach und nach verschlechterte sich die Wohnsituation immer mehr, bis sie irgendwann nicht mehr tragbar war. 2009 ist Wiebke zurück ins Ruhrgebiet gezogen. Seitdem wohnt sie in einer ambulant betreuten WG und arbeitet in einer Werkstadt für behinderte Menschen.

Die gesetzliche Betreuung haben lange Zeit unsere Mutter und ich übernommen. Da unsere Mutter aber vor einigen Jahren in den Bayerischen Wald gezogen ist, hatte ich den Großteil der Aufgaben übernommen. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich die Betreuung im November 2013 abgeben. Nun teilen sie sich unsere Mutter, Tabea und eine externe Betreuerin.

Durch die Behinderung von Wiebke und die damit anderen Anforderungen an uns als Geschwister, haben Tabea und ich einige andere Erfahrungen gemacht, als Kinder ohne behindertes Geschwisterkind. Schon früh galt es Verantwortung zu übernehmen, sich technischen Herausforderungen der verschiedenen Hilfsmitteln zu stellen und immer auf der Suche nach neuen Lösungsmöglichkeiten für den Alltag zu sein.

Alles hat seine Sonnen-, aber auch seine Schattenseiten. So haben wir zwar beide Fähigkeiten erlernt, über die wir sonst nicht verfügen würden. Genauso haben wir aber eine weniger beschwerte Kindheit gehabt und auch unser bisheriges Erwachsenenleben hat sich anders gestaltet, als bei Gleichaltrigen. Allein, wenn Wiebke mal ins Krankenhaus muss, müssen wir uns abwechseln, wer wann mit ins Krankenhaus geht. Das ist sehr anstrengend, es gehen Urlaubstage „verloren“, die Nächte im Krankenhaus sind sehr kurz. Aber es ist notwendig, weil Wiebke sonst nicht die nötige Grundversorgung erhalten würde. Außerdem sprechen Ärzte ihr im Regelfall ein normales Schmerzempfinden ab, ebenso wie ein kognitives Verständnis. Für Tabea und mich heißt es in solches Situationen dann den Gegenüber davon überzeugen, dass er/sie zwar einen Doktortitel hat, aber mit seiner Einschätzung manchmal trotzdem falsch liegt…

An Weihnachten fahren wir (soweit es die Urlaubsgenehmigungen zulassen) zu dritt zu unserer Oma und unserer Mutter nach Bayern. Das sind jedes Mal sehr schöne Tage im engsten Familienkreis.
Alles in allem sind wir ein tolles Schwesterntrio, das sich auf einander verlassen kann und wo jeder die Stärken und Schwächen der anderen kennt 🙂

2 thoughts on “Frauke und Tabea und Wiebke

  1. Hallo Frauke. Das ist eine sehr interessante und spannende Vorstellung von euch Dreien! Ich erkenne so einiges wieder, von dem was du beschreibst. Das, was du über die Krankenhausaufenthalte schreibst, haben wir auch schon so oft erlebt. Quasi im Schichtdienst hat sich meine Eltern und ich aufgeteilt, damit immer einer da ist, um die Grundversorgung sicher zu stellen. Eigentlich sollte es fast nicht zu glauben sein, dass die Krankenhäuser nicht in der Lage sind, derart gelagerte Fälle vernünftig zu betreuen.
    Danke, dass du euch drei uns vorgestellt hast!
    Grüße Sascha

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