„Passt doch alles“ – oder?

Ich bin eine Erwachsene Schwester von einem Menschen mit Behinderung.
Bei Behinderung denken viele als erstes vermutlich an einen Rollstuhl, kognitive Einschränkungen oder vllt an relativ bekannte Behinderungen wie z.b. das Downsyndrom.
Doch bei uns ist es anders.
Meine Schwester hat eine rein körperliche Behinderung (nein, kein Rollstuhl 😉). Sie war in einem normalen Kindergarten, hat ihren Schulabschluss gemacht, eine Ausbildung absolviert, hat einen Führerschein und ein eigens auf sie angepasstes und umgebautes Auto. Vor einigen Jahren hat sie sich selbstständig gemacht und ist inzwischen sogar verheiratet.

Funktionieren hat seinen Preis

Doch auch wenn sie nicht so viele Hilfsmittel benötigt, wie manch andere und ich mir keine Gedanken darum machen muss, wer z.b. die Betreuung für sie übernimmt, wenn die Eltern nicht mehr sind, hat ihre Behinderung ihre Spuren bei mir, in der Familie und dem gesamten soziale Umfeld hinterlassen.
Mit der Zeit habe ich gelernt zu funktionieren und mich anzupassen, damit zu Hause alles läuft und nach außen der Schein vermittelt wird „passt doch alles“. Erst später wurde mir bewusst, dass eben nicht alles gelaufen ist bzw welcher Preis dafür gezahlt wurde.
Im Austausch mit anderen Leuten habe ich oft das Gefühl, dass sie manchmal gar nicht so richtig verstehen worum es mir genau geht oder was bzw. DASS es überhaupt so belastend sein kann, mit einem Geschwister mit Behinderung aufzuwachsen.
Lange Zeit dachte ich auch, ich wäre allein mit meinen Themen.

Endlich nicht mehr allein

Durch Zufall und etwas googeln bin ich dann auf die „Erwachsenen Geschwister“ gestoßen und habe nun schon Mehrfach an gemeinsamen Wochenenden teilgenommen. Diese Tage, Workshops, Seminare aber vorallem der Austausch mit „gleichgesinnten“ taten mir immer sehr gut.
Jetzt habe ich nicht nur eine Schwester mit Behinderung, sondern auch viele Schwestern und Brüder, die auch Geschwister von einem Menschen mit Behinderung sind 😉