Ines und Bernd: Den Tod unserer Mutter für meinen Bruder „begreiflich“ machen

Nein, er hat ihn nicht verstanden, nicht begriffen, nicht realisiert – den Tod unserer Mutter. Die Heimleitung wollte, dass ich ihn mitnehme zur Bestattung, aber dann hätte er anschließend 14 Tage in Quarantäne gemusst; das hätte er noch weniger verstanden. Die Betreuer vor Ort haben es ihm dann gesagt. Ist nicht angekommen. Eine Video-Konferenz mit mir erreichte ihn ebenfalls nicht. Nachts (Schlaf wird eh‘ völlig überbewertet) fiel mir dann ein, dass die Auflage meiner Ma, ihn ab und zu zu besuchen, ja nicht bedeutet / bedeuten kann und wird, dass ich ab und zu vorbeifahre und ihn zur Limo einlade; sondern echtes Kümmern ist nun wahrlich mehr …. und da schoss mir durch den Kopf, ihm das Ende einer 50-jährigen Ära zu zeigen:

Hier hat er dann zumindest realisiert, dass „sein Sofa“, sein Essplatz, unsere Mama und die für seine fleischlichen Bedürfnisse begnadet kochende Teresa nicht mehr da sind …. genausowenig wie der Blindenführhund unserer Mutter, der ihn immer ein bisschen angeknurrt hat. Bernie ließ sich dann auf die Terrasse lotsen und mit ein paar Pralinchen war die Welt direkt wieder in Ordnung.


Und mit seinem Teddy ging es wieder zurück ins Wohnheim. Aber wirklich „hängengeblieben“ ist es nicht: Bei jedem Besuch möchte er in jedes, wirklich JEDES Auto einsteigen und mit mir wieder ins Elternhaus fahren. Das macht mich immer wieder ganz fertig – wie es dann wohl ihm damit geht, dass es unsere Mutter und dieses Refugium nicht mehr gibt?!

 

12 thoughts on “Ines und Bernd: Den Tod unserer Mutter für meinen Bruder „begreiflich“ machen

  1. Hallo Liebes,

    Oh wie geht dein Bericht unter die Haut🥺

    Näher hättest du eure Situation nicht schildern können😢.

    „Erst wenn man manche Situationen vor Augen hat, kann man versuchen zu verstehen“..

    Von ❤Liebe Grüße,Ute

  2. Liebe Ines
    Schöne und ergreifende Worte und Bilder. Durch die Herzlichkeit wird die Schwere erträglich.
    Ich wünsche Dir viel Kraft und trotz aller Trauer wieder und weiter viel Liebe.
    Alles Gute

  3. Liebe Ines, ich möchte dir hier antworten, damit es auch andere lesen können.

    Wie du ja weißt, war auch ich eine Schwester eines geistig behinderten Bruders, der vor zwanzig Jahren starb. Von daher ist unserer Familie dieser Versuch erspart geblieben, ihm klar zu machen, dass unser Vater ihn in seinem Pflegeheim nicht mehr besuchen kommt.

    Ich finde dein Bemühen um Bernie richtig rührend, aber leider wird er es durch seine besonders eingeschränkte Art nie verstehen können , dass er nicht mehr abgeholt wird. Er wird sich eines Tages – so meine ich das – dann damit abgefunden haben, dass er in kein Auto mehr steigen soll. Aber das WARUM wird er nie begreifen.

    Ganz liebe Grüße

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